Anna Wassmer, Berlin

Anna Wassmer ist ehemalige Modedesignerin, die Textilien gegen Pixel und Vektoren ausgetauscht hat, ihre Liebe zu Farben, Texturen und minimalistischen Formen jedoch beibehalten hat. Zur Zeit lebt und arbeitet Anna in Berlin.

Seit drei Jahren fertigt Anna maßgeschneiderte Designlösungen für Freiberufler, Kreative und Kleinunternehmer auf lokaler und globaler Ebene. Als Grafikdesignerin und Illustratorin bietet sie eine moderne und feminine Designpraxis, während Anna einen künstlerischen Ansatz mit Einfachheit und Strategie verbindet. 

NORDANS: Wie kam es dazu, dass du dich als Grafikdesignerin unter deinem Namen Anna Wassmer selbstständig gemacht hast? Wie ist dein Lebensweg bisher verlaufen?

Anna Wassmer: Als Kind konnte man mich bereits stundenlang mit ein paar Stiften und Papier allein lassen, ich habe mich einfach selbst beschäftigt. Meine Eltern haben meine kreative Veranlagung bereits früh erkannt und mich immer gefördert und darin unterstützt, möglichst viele künstlerische Bereiche und Techniken zu entdecken und mich auszuprobieren. Gestaltung und „Selbermachen“ war also schon immer etwas sehr Natürliches für mich und wurde mir auch von meinen Eltern vorgelebt, die bei uns Zuhause ständig an irgendeinem handwerklichen oder künstlerischen Projekt gearbeitet haben, meistens an mehreren parallel. 

Mir war auch schon relativ früh klar, dass ich entweder Grafik- oder Modedesign studieren möchte, nachdem ich dann nach dem Abitur ein neunmonatiges Praktikum in einem Grafikdesignbüro absolviert habe, habe ich mich aber endgültig für ein Modedesign-Studium entschieden. Mir hat bei Grafikdesign einfach der handwerkliche Teil gefehlt, ich hatte Angst, am Ende doch nur vor dem Computer zu sitzen. Das Studium selbst fand ich großartig. Ich hatte viele Freiheiten, konnte alles ausprobieren, was ich wollte und war dabei keinesfalls nur auf Mode beschränkt. Meine Leidenschaft für Grafik kam auch während des Studiums immer wieder zum Einsatz, ich war beispielsweise in meinem Semester diejenige, die bei Gruppenarbeiten die Präsentationen gestaltete oder den Flyer für die Modenschauen. Auch meine Praktika in kleinen Modedesignstudios waren super spannend und abwechslungsreich, da hatte ich super viel Glück. Allerdings hatte das alles natürlich wenig mit einer späteren Anstellung in der Modebranche zu tun, denn die gibt es – wenn man sich nicht selbstständig machen möchte – fast nur in der Industrie bei größeren Unternehmen. Das war mir zwar schon während dem Studium klar, ich dachte aber nicht, dass das so ein großes Problem darstellen würde. Nachdem ich dann also nach Abschluss meines Masters einen Job im Designteam eines süddeutschen Handelsunternehmens bekam, hatte ich erst das Gefühl, es gut getroffen zu haben. Mit der Zeit begann ich jedoch, meine Arbeit und auch die Modebranche generell immer mehr zu hinterfragen. Konnte es wirklich sein, dass ich hier Tag für Tag dabei mithelfe, Kunden dazu zu bringen noch mehr Kleidung zu kaufen, die sie gar nicht benötigen? Ganz zu schweigen von den katastrophalen Arbeitsbedingungen, die in der Produktion herrschen und die wir als Endkonsumenten so unglaublich gerne ausblenden. In dieser Branche läuft so unglaublich viel schief und ich wollte irgendwann einfach kein Teil mehr davon sein.

Anfang 2015 habe ich mich dann nach reiflicher Überlegung dazu entschieden, meinen Job zu kündigen. Ohne einen Plan, was ich stattdessen tun möchte. Anfangs wollte ich auch erst einmal gar nichts mehr mit kreativer Arbeit zu tun haben und habe eine Weiterbildung zur Social Media & PR- Managerin begonnen. Damals habe ich zwar noch in Stuttgart gewohnt, wusste aber bereits, dass ich unbedingt nach Berlin ziehen wollte. Von Stuttgart aus einen Job in Berlin zu suchen, ohne Arbeitserfahrung in diesem Bereich zu haben, hat sich natürlich als unmöglich herausgestellt. Ich habe unzählige Bewerbungen geschrieben, aber nur Absagen bekommen. Noch nicht einmal einen Praktikumsplatz habe ich bekommen, da ich ja keine Studentin war und damit Anspruch auf Mindestlohn gehabt hätte. Auch wenn das eine sehr frustrierende Zeit war, weiß ich heute, dass das alles gut war so, denn sonst hätte ich mich vermutlich nicht selbstständig gemacht.

Während der Weiterbildung habe ich bereits einen Blog aufgebaut, auf dem ich über die Themen Design, Social Media und Branding geschrieben habe. Ich habe es also tatsächlich nicht lange ausgehalten, ohne mich irgendwie kreativ zu betätigen. Durch den Blog kamen erste Kontakte und Anfragen für Logos zustande und mir kam erstmals die Idee, mich als Grafikdesignerin mit dem Fokus auf Branding für Soloselbstständige und Freelancer freiberuflich selbstständig zu machen. Früher war eine Selbstständigkeit für mich nie eine Option, plötzlich schien es die Lösung für so vieles zu sein. Ich möchte jetzt ungerne ein romantisiertes Bild des Freiberufler-Daseins zeichnen, denn genau wie das Angestelltendasein hat es seine Vor- und Nachteile und ist bestimmt keine Patentlösung für alle, die in ihrem Job unglücklich sind. Für mich bedeutet meine Selbstständigkeit jedoch die absolute Freiheit und eine Erfüllung, die ich angestellt so wohl nirgendwo finden würde, deshalb nehme ich die Nachteile dafür gerne in Kauf.

NORDANS: Woher nimmst du deine Ideen für deine kreative Arbeit? Was inspiriert und fasziniert dich?

Anna Wassmer: Das ist vermutlich die absolute Standardantwort, aber so ist es nunmal: mit offenen Augen durch die Welt gehen und alles aufsaugen. Inspiration kann sich überall verstecken.

Ich bin sehr neugierig, möchte alles selbst können und wenn mich ein Thema fasziniert, kann ich mich stundenlang damit beschäftigen und mir Wissen anlesen. Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich. Ich hänge immer mehr in der Vergangenheit als in der Zukunft, interessiere mich für Geschichte und die Zusammenhänge zwischen Gesellschaft und Kultur.

In Zeiten des Internets und Social Media und dem damit verbundenen Überfluss an Informationen, Inspirationen und Einflüssen ist es aber auch umso wichtiger, sich Auszeiten zu nehmen. Einfach mal den Bildschirm auszulassen und nichts zu tun. Mal wieder seinen eigenen Gedanken zuhören und ein Gefühl der Langeweile zulassen, dass haben wir generell verlernt. Die besten Ideen kommen mir tatsächlich auch, wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, sondern mein Kopf ganz frei ist – beim spazieren gehen, in der U-Bahn oder unter der Dusche. Ein Ortswechsel ist auch immer eine gute Idee, wenn man mal feststeckt. Manche Ideen brauchen einfach Zeit und Geduld.

Foto: Anna Wassmer

NORDANS: Was ist für Dich die größte Herausforderung bei der Entwicklung eines neuen Design und was kannst Du für Einblicke in Deine tägliche Arbeit gewähren, von der der Kunde normalerweise nichts mitbekommt?

Anna Wassmer: Was die größte Herausforderung bei der Entwicklung eines neuen Designs ist, lässt sich gar nicht pauschal sagen, denn jedes Projekt ist so unterschiedlich. Die tatsächliche Herausforderung liegt für mich auch gar nicht wirklich beim Design an sich, sondern der Selbstständigkeit und allem, was da – neben der tatsächlichen Designarbeit – eben noch mit dran hängt. Plötzlich ist man nicht mehr nur Designerin, sondern auch Projektmanagerin, Buchhalterin, macht das Marketing und Kundenakquise, um nur ein paar der neuen Rollen zu nennen.

Was Kunden auch nicht mitbekommen sind die ganzen Tiefs, die Selbstzweifel und ratlosen Momente, die zum kreativen Schaffensprozess dazugehören. Ich habe einen sehr hohen Anspruch an mich selbst und überschreite dabei regelmäßig meine eigenen Grenzen. Letztes Jahr habe ich extrem zu spüren bekommen, was passiert, wenn man das zu oft tut. Dieses Jahr klappt das schon viel besser mit der Selbstfürsorge. Self-Care sollte für jeden Selbstständigen ganz weit oben auf der Prioritätenliste stehen und Teil der täglichen To-do-Liste sein. Ich bin absolut kein Fan dieser „als Selbstständiger arbeitet man selbst und ständig“-Mentalität und habe es mir zum Ziel gemacht, das auch öffentlich zu vertreten. Ich verfolge eher den Ansatz „work smarter, not harder“ und bin aktuell dabei, meine internen Prozesse so zu optimieren, dass ich weniger gestresst bin und mehr Zeit für die schönen Dinge bleibt, nicht um noch mehr Aufgaben in den Tag zu quetschen. 

NORDANS: Was für ein Konzept steckt hinter der Kollektion mit NORDANS? Was waren die Ideen und Inspirationen und was drückt die Kollektion für Dich persönlich aus?

Anna Wassmer: Die Kollektion für Nordans haben wir von Anfang an als Kollaboration betrachtet. Es war uns wichtig, dass wir beide gleichermaßen unsere Persönlichkeit und unsere Ideen einbringen können. Zuerst haben wir nach einem übergeordneten Thema gesucht, dass uns als Inspiration dienen soll und die drei Einzelprints vereint. Dabei sollte die Kollektion sowohl unsere persönlichen Werte als auch das Konzept von Nordans widerspiegeln, weshalb wir schnell bei den Themenschwerpunkten Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und Achtsamkeit gelandet sind. Wir haben uns überlegt, was uns an unserem Zuhause wichtig ist und womit wir uns selbst gerne umgeben wollen. Das Zuhause ist ein Wohlfühlort, hier soll man zur Ruhe kommen, man selbst sein dürfen und abschalten. Es ist aber auch ein Ort, in den man Menschen einlädt, die einem wichtig sind, anregende Gespräche führt, Pläne schmiedet und gemeinsame Erinnerungen schafft. Die gesamte Kollektion soll das repräsentieren. Uns war außerdem sehr wichtig, dass die Prints möglichst geschlechtsneutral sind, sodass sie auch in Pärchenwohnungen ihren Platz finden. Die drei Prints sind so konzipiert, dass sie einzeln funktionieren, aber auch beliebig in 2er-Kombination oder zu dritt.

NORDANS: Was verstehst du unter Nachhaltigkeit? Spiegelt sich dieser Grundgedanke auch in der Zusammenarbeit mit NORDANS wieder?

Anna Wassmer: Ich selbst befinde mich seit circa vier Jahren auf einer Reise zu mehr Nachhaltigkeit und Achtsamkeit, was meiner Meinung nach Hand in Hand geht. Meine Kündigung damals hat eine ganze Reihe an Folgereaktionen ausgelöst. Wenn man sich beruflich noch einmal völlig neu erfinden kann, dann bleibt auch das Privatleben davon nicht unberührt, erst recht nicht wenn die Grenze so fließend ist wie bei Freiberuflern. Ich habe mich gefragt, wie und wo ich leben möchte und wie ich mein Alltag und meine Arbeit aussehen soll, jetzt wo ich das alles noch einmal selbst definieren konnte. Besonders sichtbar wurde das in meinem Konsumverhalten, und ich denke, dass das der wichtigste Schritt zu mehr Nachhaltigkeit ist. Als ich noch angestellt war, hatte ich ständig das Bedürfnis, mich mit materiellen Dingen zu „belohnen“. Ich war unzufrieden und dachte, ich könnte dieses Gefühl betäuben, indem ich mein Gehalt in Dinge umwandelte, die mich für einen kurzen Moment glücklich machten. Das zu erkennen, hat einen riesigen Unterschied gemacht. Heute gestalte ich meinen Alltag so, dass ich mich nicht dafür belohnen muss, mein Leben zu bestreiten. Wobei wir auch wieder bei dem Punkt wären, dass Nachhaltigkeit und Achtsamkeit untrennbar verbunden sind. Gehe ich achtsam mit mir selbst um, lebe ich automatisch nachhaltiger. Dann achte ich darauf, meinem Körper mit hochwertigen und guten Lebensmitteln zu versorgen, mich viel zu bewegen, meine freie Zeit mit Hobbys zu füllen, die mir gut tun oder sie mit Freunden und Familie zu verbringen, anstatt immer nur vom einem Konsum-Glücksgefühl zum nächsten zu taumeln.

Das heißt ja auch nicht, dass man sich jetzt keine schönen Dinge mehr kaufen soll, oder keinen Spaß mehr an Mode, Kosmetik oder Interior empfinden darf. Aber man kann hinterfragen, wie viel und wo man einkauft. Die erste Anlaufstelle sollte immer sein, bereits bestehende Ressourcen zu nutzen. Second Hand kaufen, Leihen, Tauschen, Selbermachen oder etwas Upcyclen, das man bereits besitzt. Wenn das nicht möglich ist, kann man seine Kaufkraft nutzen, um ein kleines, nachhaltiges Unternehmen zu unterstützen und so die negativen Auswirkungen auf die Umwelt etwas zu minimieren. Es gibt mittlerweile für fast alles nachhaltigere Alternativen. Bei unserer Zusammenarbeit habe wir darauf geachtet, bei einer nachhaltigen Druckerei unter fairen Arbeitsbedingungen in Deutschland produzieren zu lassen. Das Papier ist zu 100% recycelt und die Farben vegan und auf Pflanzenölbasis. Bei der Verpackung wird komplett auf Plastik verzichtet. Außerdem haben wir uns dazu entschieden, nur ein kleine Auflage drucken zu lassen, um eine Überproduktion zu vermeiden.

Jeder kann einen Beitrag dazu leisten, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Dabei zählen auch kleine Schritte.

Nachhaltigkeitskriterien, die von ANNA WASSMER x NORDANS erfüllt werden:

x natürliche Materialien aus ressourcenschonendem Anbau
x made in Germany
x recyclebar und entsorgungsgerecht
x schadstoffreduzierte Herstellung
x minimalistisches und zeitloses nordisches Design
x faire Arbeitsbedingungen
x materialschonende Produktion
x Langlebigkeit
x abfallvermindernd

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